Gedenkstätte KL Plaszow – Neues Museum in Krakau (Stand: Juni 2025)
Krakau erweitert seine Gedenklandschaft – ein lange vernachlässigter Ort erhält nun endlich die Aufmerksamkeit, die er verdient.
Das ehemalige deutsche Zwangs- und Konzentrationslager KL Plaszow wird derzeit zu einer umfassenden Gedenkstätte und einem Museum umgestaltet. Die Eröffnung des neuen Gebäudes ist für Ende 2025 geplant – ein wichtiger Schritt zur Bewahrung der Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Stadt.
Das Lager wurde 1942 am südlichen Stadtrand von Krakau errichtet, zunächst als Zwangsarbeitslager für Juden aus dem Krakauer Ghetto. Später wurde es in ein Konzentrationslager umgewandelt. Die Gefangenen litten unter unmenschlichen Bedingungen, Gewalt und Massenhinrichtungen. KL Plaszow wurde insbesondere durch den Lagerkommandanten Amon Göth bekannt – eindrucksvoll dargestellt von Ralph Fiennes im Film Schindlers Liste.
Obwohl der Ort von großer historischer Bedeutung ist, blieb er jahrzehntelang unbeachtet. Das Gelände war überwuchert und kaum gekennzeichnet – bekannt nur bei Einheimischen, Historiker:innen und gezielt Suchenden. Lediglich einige Informationstafeln und das eindrucksvolle Denkmal für die Opfer des Faschismus erinnerten an die grausame Vergangenheit dieses Orts.
Nach über 80 Jahren erfährt der Ort nun eine grundlegende Neugestaltung. Ein neues Museumsgebäude, Bildungsräume und markierte Wege entstehen – KL Plaszow wird damit zu einem Ort des Gedenkens, des Wissens und der kollektiven Verantwortung.
Was entsteht?
Das neue Museum wird von der Stadt Krakau in Zusammenarbeit mit dem polnischen Kulturministerium realisiert.
Geplant sind unter anderem:
- Ein Gedenkgebäude – teilweise in den Hang integriert, mit Ausstellungen, Bildungsräumen und Archiv
- Ein Fußgängertunnel, der das Gebäude mit dem historischen Lagergelände verbindet
- Die Restaurierung des Grauen Hauses, einem ehemaligen Lagergebäude, das eine Dauerausstellung und eine Mediathek beherbergen wird
- Ein Klangdenkmal im Freien sowie neue Informationstafeln
- Bildungspfade, die den ursprünglichen Lagergrundriss nachzeichnen
Im Juni 2025 ist das zweite Stockwerk des Hauptgebäudes fertiggestellt, und es haben Innenarbeiten sowie der Bau des Tunnels begonnen.
Was kann man heute schon besuchen?
Auch vor der offiziellen Eröffnung ist ein Großteil des ehemaligen Lagergeländes bereits zugänglich:
- Das historische Lagergelände – naturbelassen, mit gekennzeichneten Wegen und zweisprachigen Tafeln
- Die Open-Air-Ausstellung „KL Plaszow. Ein Ort danach, ein Ort ohne“ – mit Fotos, Karten und Zeitzeugenberichten
- Das Graue Haus – derzeit in Renovierung, künftig als Bildungszentrum geplant
- Wichtige Gedenkorte wie Appellplatz, Friedhöfe und Denkmäler sind öffentlich zugänglich
Ein bedeutungsvoller Ort für alle, die sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, jüdisches Erbe oder den Holocaust interessieren.
Weitere Gedenkstätten des Zweiten Weltkriegs in Krakau
Wer sich intensiver mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Krakau auseinandersetzen möchte, sollte auch diese Orte besuchen:
- Kazimierz – einst das Zentrum des jüdischen Lebens in Krakau, heute ein lebendiges Viertel mit Synagogen und Museen
- Schindlers Fabrik – eine Ausstellung zur Geschichte Krakaus unter deutscher Besatzung und zur Rettung jüdischer Arbeiter durch Oskar Schindler
- Platz der Ghettohelden – ehemaliger Deportationsort mit Mahnmal aus leeren Stühlen
- Apotheke zum Adler – heute ein Museum über Tadeusz Pankiewicz, den einzigen Nichtjuden im Ghetto
- Gedenkstätte KL Plaszow – derzeit im Aufbau
- Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau – der zentrale Ort des Holocaust-Gedenkens in Polen
- Heimatmuseum der Polnischen Heimatarmee – mit Ausstellungen über den polnischen Widerstand und das Untergrundleben im Krieg
- Liban-Steinbruch – ehemaliger Zwangsarbeitsort und Drehort von Schindlers Liste. Betreten auf eigene Gefahr – kein offizieller Zugang
Viele dieser Orte befinden sich im Stadtteil Podgórze – dem früheren Ghetto. Man kann sie gut zu Fuß oder mit der Straßenbahn besuchen. Vom Schindler-Museum aus sind KL Plaszow und der Liban-Steinbruch in etwa 40–50 Minuten zu Fuß erreichbar.
Praktische Informationen
- Eröffnung des Museumsgebäudes: Ende 2025 (abhängig vom Baufortschritt)
- Das Lagergelände ist ganzjährig frei zugänglich, mit Informationen auf Polnisch und Englisch
- Aktuelle Informationen: https://plaszow.org
Häufige Fragen (FAQ)
Ist KL Plaszow derzeit für Besucher zugänglich?
Ja. Das Außengelände ist frei zugänglich. Besucher:innen können auf den Pfaden gehen und die Freiluftausstellung besichtigen.
Wann wird das Museum eröffnet?
Die Eröffnung ist für Ende 2025 geplant. Änderungen sind abhängig vom Baufortschritt möglich.
Wie kommt man vom Stadtzentrum zu KL Plaszow?
Am besten mit der Straßenbahn (ca. 25–30 Minuten) oder mit dem Taxi. Zu Fuß vom Schindler-Museum aus dauert es etwa 40–50 Minuten.
Kann man KL Plaszow und Schindlers Fabrik an einem Tag besuchen?
Ja – viele kombinieren Schindlers Fabrik mit KL Plaszow im Rahmen eines thematischen Rundgangs.
Ist der Ort barrierefrei?
Einige Wege sind uneben und derzeit noch nicht vollständig barrierefrei. Verbesserungen sind mit der Eröffnung des neuen Museums geplant.
Gibt es Führungen?
Zurzeit werden keine regelmäßigen Führungen angeboten. Es sind individuelle Besichtigungen möglich, und gelegentlich finden Veranstaltungen statt.
Fazit
KL Plaszow war lange Zeit ein stiller, oft vergessener Ort des Gedenkens in Krakau. Doch das ändert sich. Mit dem neuen Museum entsteht ein Raum der Erinnerung, Bildung und stillen Reflexion.
Wenn Sie Schindlers Fabrik besuchen, sich für jüdische Geschichte interessieren oder Auschwitz besichtigen möchten, sollten Sie auch KL Plaszow in Ihre Reise einbeziehen. Es ist ein Ort von großer historischer Bedeutung – und ein wachsender Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt.
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