Kühne Flucht aus Auschwitz: Mut, Geschick und der Wunsch nach Freiheit

10. August 2023

Entdecken Sie die fesselnde Geschichte des Mutes und der Freiheit. Erfahren Sie, wie vier mutige Männer eine unglaubliche Flucht aus Auschwitz schafften.
Kühne Flucht aus Auschwitz: Mut, Geschick und der Wunsch nach Freiheit
10. August 2023

Die Flucht von Piechowski, Bendera, Jaster und Lempart – einer der kühnsten Ausbrüche aus Auschwitz

In der düsteren Geschichte von Auschwitz – einem Ort, an dem über eine Million unschuldiger Menschen starben – wagten nur wenige eine Flucht. Schätzungen zufolge versuchten mindestens 802 Häftlinge zu fliehen, darunter 396 Polen. Nur 144 überlebten den Krieg. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine Geschichte von Verzweiflung, Entschlossenheit und außergewöhnlichem Mut. Die Häftlinge wussten, dass jeder Fluchtversuch tödliche Repressalien gegen Dutzende Unschuldige zur Folge haben konnte.

Weitere Geschichten von Auschwitz-Häftlingen

Stanisław Jaster, Józef Lempart, Kazimierz Piechowski, Eugeniusz Bendera – Flucht aus Auschwitz
Stanisław (Staszek) Jaster, Józef (Józek) Lempart, Kazimierz (Kazek) Piechowski, Eugeniusz (Gienek) Bendera

Ein Plan, der Leben rettete

Kazimierz Piechowski und Eugeniusz Bendera initiierten eine der spektakulärsten Fluchten aus Auschwitz. Als Bendera erfuhr, dass er auf einer Liste zur Exekution stand, fasste er einen Entschluss: „Flucht oder Tod.“ Zusammen mit Piechowski entwickelten sie einen Plan: ein fingiertes Arbeitskommando. Piechowski erinnerte sich: „Wir erfanden ein Kommando, das es nicht gab. Wenn wir flohen, wüsste niemand, wen man bestrafen sollte. Im Lager war der gesamte Transport muskelbetrieben – sogenannte Rollwagenkommandos. Jedes brauchte mindestens vier Leute.“

Komplettiert wurde das Team durch Pater Józef Lempart und Stanisław Jaster.

Lager Auschwitz

Eine filmreife Flucht

Am Samstag, dem 20. Juni 1942, bei Tageslicht, marschierten die vier Männer durch das Lagertor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“, schoben einen Wagen und meldeten sich als erfundenes Kommando. Piechowski, mit einer Vorarbeiter-Armbinde, rief: „Rollwagenkommando, Vorarbeiter 918, drei Häftlinge“. Der SS-Wachposten überprüfte die Liste nicht – das Tor öffnete sich.

Sie besorgten Uniformen und Waffen aus einem Lagerraum. Bendera fuhr den Steyr 220. Ein Turmwächter bemerkte sie, reagierte aber nicht – Piechowski trug bereits eine SS-Uniform. Unterwegs salutierten SS-Offiziere vor ihnen. Die größte Hürde: eine Schranke. Piechowski berichtete: „Ich dachte, es sei aus. Dann flüsterte Józek: ‚Kazek, tu etwas.‘ Ich sprang raus und rief: ‚Was schlaft ihr da? Aufmachen!‘ Die Schranke ging hoch. Gienek legte den Gang ein. Freiheit!“

Die Flucht erfolgte mit dem Wissen von Witold Pilecki – einem polnischen Nationalhelden, der sich freiwillig nach Auschwitz einsperren ließ, um eine Widerstandsbewegung aufzubauen. Den Bericht, den er verfasste, übergab Stanisław Jaster nach der Flucht dem Untergrundkommando der Heimatarmee (AK) in Warschau.

Die Flüchtigen zerstörten später das Auto in der Nähe von Maków Podhalański, wechselten Kleidung und trennten sich. Eine Legende besagt, sie hätten Lagerkommandant Höss einen sarkastischen Brief geschickt – Piechowski widersprach: „Das ist ein Märchen. Wir haben nichts geschickt.“

Steyr 220 – Fluchtfahrzeug

Und danach?

Im Lager wurde Alarm ausgelöst. Der deutsche Kapo Kurt Pachala wurde fälschlich der Fluchthilfe beschuldigt, in Block 11 eingesperrt und zum Hungertod verurteilt. Sieben SS-Männer wurden zur Strafe an die Ostfront versetzt. Doch da das Kommando erfunden war, wusste niemand, wer beteiligt war – die typische Vergeltung, zehn zufällige Häftlinge zu exekutieren, konnte nicht umgesetzt werden. Die Genialität der Flüchtigen rettete somit viele andere Leben. Für viele Häftlinge war die Flucht ein Symbol der Hoffnung.

Józef Lempart erkrankte während der Flucht schwer, wurde jedoch nicht im Stich gelassen – freundliche Menschen versteckten ihn auf dem Land. Seine Mutter wurde dafür im Lager ermordet. Nach dem Krieg legte Lempart das Priesteramt nieder und gründete eine Familie. Er starb 1971 bei einem Autounfall.

Stanisław Jaster überbrachte den Pilecki-Bericht nach Warschau, verschwand jedoch unter ungeklärten Umständen – wahrscheinlich von der Untergrundbewegung getötet. Jahrzehntelang kursierten Gerüchte, er sei ein Gestapo-Agent gewesen. Piechowski kämpfte sein Leben lang um Rehabilitierung. 2019 wurde Jaster posthum mit dem Orden Polonia Restituta ausgezeichnet.

Bendera und Piechowski versteckten sich zunächst zusammen. Nach dem Krieg wurde Piechowski wegen AK-Zugehörigkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung beendete er sein Studium, arbeitete in einer Werft und schrieb Bücher wie „Byłem numerem…“ (Ich war eine Nummer…) und „My i Niemcy“. Er trat in mehreren Dokumentarfilmen auf, darunter „Jaster. Tajemnica Hela“. Im Ruhestand erfüllte er sich den Traum vom Reisen – mit seiner Frau besuchte er über 60 Länder. Er starb am 15. Dezember 2017 im Alter von 98 Jahren.

Kazimierz Piechowski nach dem Krieg
Kazimierz (Kazek) Piechowski

Zum Schluss

Die Geschichten von Piechowski, Bendera, Lempart und Jaster sind Zeugnisse menschlichen Mutes im Angesicht des Unvorstellbaren. Besuchen Sie das Auschwitz-Museum, um mehr über solche Geschichten zu erfahren und den Opfern des Terrors zu gedenken.

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